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Trainieren Sie Ihren Kopf: Was es tatsächlich bedeutet, mental fit zu sein

Geschrieben von Allaya Cooks-Campbell | 29.04.2022 18:19:23

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Was versteht man eigentlich unter mentaler Fitness?

Wie fühlt sich mentale Fitness an?

Der Unterschied zwischen mentaler Fitness und mentaler Gesundheit

Warum ist mentale Fitness in unserer heutigen Welt besonders notwendig?

Wie funktioniert mentale Fitness?

Wie mentale und körperliche Fitness verflochten sind

Bringen Sie Ihren Geist ins Fitnessstudio: So werden Sie mental fit

Was ist eigentlich mentale Fitness und hat das etwas mit Gewichtheben zu tun? Nicht ganz – aber Ihr Geist kann trotzdem fitter werden und Sie werden sich besser fühlen. Lernen Sie den Unterschied zwischen mentaler Fitness und mentaler Gesundheit kennen und wie Sie mentale Muskeln aufbauen können.

Was versteht man eigentlich unter mentaler Fitness?

Mentale oder auch geistige Fitness kann als die Fähigkeit oder Praxis definiert werden, das eigene Wohlempfinden zu fördern und zu pflegen, um Bestleistungen zu erbringen Es geht darum, zentrale psychologische Ressourcen zu entwickeln und sich bewusst zu machen, wie man denkt, sich verhält und fühlt. Wenn Sie mental fit sind, nehmen Sie Herausforderungen an und fühlen sich in der Lage, mit Veränderungen und Stress umzugehen, ganz gleich, was der Alltag bringt. Wenn Sie mental fit sind, können Sie sich wieder ins Bewusstsein rufen, was Ihnen an der Arbeit und im Privatleben gefällt.

Mentale Fitness ist mehr als die Abwesenheit psychischer Störungen. Es geht auch um mehr als um Selbstfürsorge und Erholung. Es geht um Wachstum und darum, in allen Bereichen des Lebens das Beste zu denken, zu fühlen und zu leisten. Mentale Fitness entwickelt sich, wenn man verstehen lernt, dass mentale Gesundheit gestärkt und verbessert werden kann.

Wenn es Ihnen körperlich nicht gut geht, spüren Sie das – Symptome sagen Ihnen, dass es Zeit für etwas Schlaf (und eine Tasse Tee) ist. Wenn Sie jedoch unter Angstzuständen oder Depressionen leiden, merken Sie das nicht immer. 

Was unsere körperliche Gesundheit geht, wünschen wir uns meist, dass wir uns mehr als nur „wohl“ fühlen, d. h. keine unerwünschten Symptome spüren. Auch wenn wir nicht krank sind, wissen wir, dass wir unsere Kondition und Gesundheit verbessern können, um ein Ziel oder ein bestimmtes Leistungsniveau zu erreichen. Unsere körperliche Fitness kann ein wesentlicher Bestandteil der von uns gewünschten Lebensweise sein. 

Mit unserer mentalen Gesundheit ist es nicht anders. Gesund ist zwar gesund, bedeutet aber längst keine Entfaltung. Und das reicht nicht. Was unsere mentale Gesundheit betrifft, wissen wir nicht einmal, wie fit wir eigentlich werden können. Mentale Fitness steht für die Idee, dass jeder Mensch eine positive geistige Kondition entwickeln kann, die über das „Wohlbefinden” hinausgeht.

Wie fühlt sich mentale Fitness an?

Wenn Sie mental fit sind, fühlen Sie sich voll leistungsfähig und sind von Ihrer Fähigkeit überzeugt, Ihre Kondition zu beeinflussen. Es geht nicht darum, dass Sie sich ständig „glücklich“ fühlen und nie ein Stimmungstief haben. Wenn Ihre Motivation nachlässt, geraten Sie jedoch nicht gleich in Panik und verharren auch nicht in diesem Zustand. 

Wenn Sie mental fit sind, fühlen Sie sich öfter…

  • im Hier und Jetzt, verbunden mit den Menschen um Sie herum
  • gut erholt und enthusiastisch
  • angespornt, fokussiert und fähig dazu, sich kurzfristige Informationen zu merken
  • in der Lage, mit Stressfaktoren umzugehen
  • bereit, neue Herausforderungen anzugehen und Interessen zu entwickeln
  • kreativ und mitten in einem Flow
  • fähig, schwierige emotionale Muster zu lösen, ohne von ihnen überwältigt zu werden.

Der Unterschied zwischen mentaler Fitness und mentaler Gesundheit

Häufig wird mentale Gesundheit dadurch definiert, was sie nicht ist. Mit anderen Worten: Wer nicht psychisch krank ist, muss mental gesund sein. Aber das stimmt überhaupt nicht. Wenn Sie nicht akut psychisch krank sind, bedeutet das nicht automatisch, dass es Ihnen gut geht. Trotz der häufigen Verbindung mit psychischen Erkrankungen bezieht sich mentale Gesundheit tatsächlich auf ein breites Spektrum von Höhen und Tiefen. Darüber hinaus ist mentale Gesundheit nicht mit mentaler Fitness zu verwechseln.

Profis auf dem Gebiet der mentalen Gesundheit, wie etwa Berater, Therapeuten und Psychiater, behandeln im Allgemeinen psychische Störungen und Erkrankungen. Psychische Störungen beeinflussen die Menschen in ihrem Alltag. Die häufigsten Störungen, nämlich Angstzustände und Depressionen, beruhen dabei auf Gefühlen, weshalb sie auch als Stimmungsstörungen bezeichnet werden. Da Emotionen wie Angst und Traurigkeit beständig und schwerwiegend sind, wirken sie sich lähmend aus. Das Ziel ist, die psychische oder mentale Gesundheit der Menschen wieder auf ein funktionales Niveau zu bringen.

Mentale Fitness bedeutet hingegen viel mehr, als ein Leben ohne Schmerzen oder Einschränkungen. Bei mentaler Fitness geht es darum, Kraft aufzubauen und das Wohlbefinden zu steigern. Wer keine Beschwerden hat, muss deshalb noch lange nicht auf dem angestrebten Fitnessniveau sein. Und das kann wiederum die eigenen Ziele behindern. 

Wenn wir unseren Fokus von der mentalen Gesundheit auf die mentale Fitness verlagern möchten, müssen wir uns fragen, was und wie wir sein wollen. Wofür trainieren Sie Ihren Geist – worin liegt Ihre Herausforderung? Das Gespräch beginnt also mit einer Neudefinition von mentaler Gesundheit, die den Gedanken aufgreift, dass Menschen mental mehr oder weniger fit sein können. So individuell wie die Bedürfnisse eines jeden Menschen sind, ist auch der Weg zu mentaler Stärke und Fitness einzigartig.  Mit ein wenig Unterstützung können wir die beste und gesündeste Version von uns selbst sein.

Warum ist mentale Fitness in unserer heutigen Welt besonders notwendig?

Die Art zu arbeiten, befindet sich im Wandel. Obwohl es nie einen großen Unterschied zwischen dem „Arbeits-Ich“ und dem „privaten Ich“ gab, wird das neue hybride Arbeitsmodell diese Grenzen noch mehr verwischen. Wir müssen nach Wegen suchen, wie wir den Menschen helfen können, sich zu entfalten – sowohl am Arbeitsplatz als auch privat.

Maßnahmen zur Verbesserung der mentalen Gesundheit helfen uns, Widrigkeiten besser zu überstehen. Sie unterstützt uns auch dabei, bei der Arbeit mehr zu leisten. Die mentale Gesundheit ist wie ein weiterer Muskel, den wir durch Training stärken können. Und eine starke mentale Gesundheit bedeutet, dass Sie über die Fähigkeiten verfügen und von Menschen umgeben sind, um Ihr eigenes Wohlbefinden zu steigern und zu pflegen. 

Belastbarkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Entwicklung mentaler Fitness. BetterUp hat herausgefunden, dass sehr belastbare Menschen während der gesamten COVID-19-Pandemie ein besseres Wohlbefinden empfanden – im Durchschnitt um 6 Prozent. Und nicht nur das: Wenn belastbare Menschen in ihrem Wohlergehen angegriffen wurden, war die Erholung 1,2 Mal stärker.

Insgesamt betrachtet, ist die mentale Fitness am Arbeitsplatz sehr schwankend. Mehr als die Hälfte der Angestellten fühlt sich „festgefahren“. Sie leiden auch ohne klinische psychische Störungen oder chronische Erkrankungen. Diese Lähmung zeigt sich auch in Relation zu Fehlzeiten und Produktivitätsverlusten. Unsere Untersuchung ergab, dass Angestellte mit einer bestmöglichen mentalen Gesundheit 56 % weniger krankheitsbedingte Fehltage hatten. Bei ihnen war die Wahrscheinlichkeit, als Top-Performer eingestuft zu werden, fünfmal höher als bei denjenigen mit anfälliger mentaler Gesundheit. Sie hatten auch eine um 25 Prozent höhere Produktivität und zeigten ein um 34 Prozent höheres Engagement. 

Mit individueller Unterstützung können jedoch 77 Prozent der Menschen, die sich anfangs festgefahren und blockiert fühlen, ihr Wohlbefinden innerhalb von drei bis vier Monaten deutlich verbessern. Eine schwache mentale und emotionale Fitness hat weitreichende Auswirkungen. Die Entwicklung der mentalen Fitness hat jedoch positive Auswirkungen auf alle Lebensbereiche.

Sechs Vorteile, die eine bessere mentale Fitness schafft:

  • Verbesserte kognitive Flexibilität. Mentale Fitness schärft den Fokus, die Arbeitsgeschwindigkeit, das Gedächtnis, die Konzentration, das Zeitmanagement und die Kommunikation.
  • Bessere Konfliktlösungen. Mental fitte Menschen können ihre Reaktionen kontrollieren und rationaler reagieren. Das führt zu besseren Beziehungen und einem höheren Selbstwertgefühl.
  • Größerer Optimismus. Mentale Fitness verbessert das Bewusstsein für Denkmuster. Die Entwicklung dieser Metakognition führt zu positiveren Gefühlen und größerem Selbstvertrauen.
  • Höhere Selbstsicherheit. Mental fitte Menschen fokussieren ihre Stärken und die Möglichkeiten, neue Fertigkeiten zu erlernen. Dies stärkt die Selbstwirksamkeit (den Glauben an sich selbst und an die Fähigkeit, die eigenen Ziele zu erreichen).
  • Mehr Flow. Das Verweilen im Augenblick verbunden mit verbesserter Kreativität, fördert den Flow-Zustand. Eine längere Zeit im Flow sorgt für eine höhere Produktivität und mehr Energie.
  • Bessere Schlafqualität. Genau wie die körperliche Fitness trägt auch die mentale Fitness zu einer besseren Schlafqualität bei.

Wie funktioniert mentale Fitness?

Um zu verstehen, wie mentale Fitness funktioniert, ist es hilfreich, einen Begriff aus der Kognitionswissenschaft zu betrachten, der als neuronale Formbarkeit oder Neuroplastizität bezeichnet wird. Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, auf neue Erfahrungen mit Veränderung zu reagieren. 

Unser Gehirn transportiert Gedanken entlang neuronaler Bahnen. Diese Pfade sind wie Spuren, die wir mit der Zeit anlegen und verstärken. Sie können sich diese als „Gewohnheiten“ Ihres Gehirns vorstellen. Wenn wir ein Gedankenmuster viele Male wiederholen, wird dieser neuronale Pfad verstärkt. Dadurch wird es wahrscheinlicher, dass Sie das Muster in Zukunft wiederholen werden.

Manchmal lassen uns diese Denkmuster in einer Weise reagieren, die nicht besonders hilfreich ist. Anstatt auf die akute Situation zu reagieren, nehmen wir gewohnte Pfade früherer Verhaltensweisen. Es ist, wie wenn Sie auf Ihrem üblichen Weg zur Arbeit automatisch dieselbe Ausfahrt nehmen – auch wenn Sie eigentlich woanders hin wollen.

Wenn Sie Ihre mentale Fitness steigern, haben Sie das Bewusstsein, die Kraft und die Flexibilität, um Möglichkeiten zu erkennen. Sie können einen anderen Weg wählen, anstatt automatisch zu reagieren. Die Steigerung Ihrer geistigen Fitness ist dementsprechend gut für die Neuroplastizität Ihres Gehirns, die sich positiv auf Ihre Emotionen und Ihr Gedächtnis auswirkt.

Das automatisches Denken kommt aus unserem „Überlebensgehirn”, dem limbischen System. Es scannt, wie während der gesamten Evolution, die Umgebung ständig nach Bedrohungen ab. Wir haben das limbische System von den Schimpansen geerbt und es kann uns schützen. Ohne Steuerung kann es jedoch zu Gedanken und Handlungen führen, die nicht mit unseren Werten und Zielen übereinstimmen.

Die gute Nachricht ist, dass wir unser Gehirn neu programmieren können. Mit der gleichen Art von Training, mit dem wir Muskeln aufbauen, können wir neuronale Bahnen schaffen, die für uns nützlicher sind.

Wie mentale und körperliche Fitness verflochten sind

Mentale Fitness wird häufig in Zusammenhang mit körperlicher Fitness erwähnt. Das liegt daran, dass die Entwicklung beider Fertigkeiten weitgehend demgleichen Prozess unterliegen. Wenn wir unsere körperliche Fitness verbessern wollen, haben wir viele Möglichkeiten. Wir können allein oder mit einem Coach daran arbeiten. Wir können uns auf Kraft, Schnelligkeit oder Flexibilität konzentrieren. Wir können einen Bummel machen oder Leistungssport treiben. Jeder von uns hat seine eigene Mischung aus körperlichen Aktivitäten für die Erhaltung der Gesundheit und des Wohlergehens unseres Körpers.

Egal, für welchen Ansatz wir uns entscheiden, die Vorteile der körperlichen Fitness wirken sich auf alle Lebensbereiche aus. Das Gleiche gilt für die mentale oder geistige Fitness. Mit der Zeit und bei konsequentem Training entwickeln wir mentale „Muskeln“. So, wie wir Veränderungen an unserer körperlichen Verfassung wahrnehmen, können wir auch mental stärker werden und uns besser konzentrieren. Zudem ist es weniger wahrscheinlich, dass wir emotionale Verletzungen erleiden oder aber welche verursachen. 

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum körperliche und mentale Fitness zusammenhängen: Viele Studien belegen die positiven Auswirkungen von körperlicher Bewegung auf die mentale Gesundheit. Tatsächlich gibt es dazu so viele Studien, dass es hierzu sogar eine wissenschaftliche Meta-Meta-Studie gibt. 

Körperliche Fitness fördert also die mentale Fitness. Die stimmungsaufhellende Wirkung von Bewegung in Kombination mit etwas Neuem ist eine gute Möglichkeit, die kognitive Flexibilität zu fördern. Die Entwicklung einer optimalen – körperlichen oder mentalen – Gesundheit mindert den Stress und beschert Erfolgserlebnisse.

Bringen Sie Ihren Geist ins Fitnessstudio: So werden Sie mental fit

Wie lässt sich mentale oder geistige Fitness entwickeln? Wie bei jeder anderen Disziplin auch, ist eine konsequente Fokussierung auf die richtigen Bereiche erforderlich. Mit Übungen werden Sie belastbarer, fokussierter und optimistischer.

Natürlich wird Sie jeder Personal Trainer oder Ernährungsberater auf einige Gewohnheiten hinweisen, die Sie ablegen sollten. Hier sind 7 Dinge, die Sie tun sollten (und 7 Dinge, die Sie vermeiden sollten), um mentale Fitness zu entwickeln:

Übungen:  

Achtsamkeit praktizieren

Die Entwicklung regelmäßiger Übungen zur Achtsamkeit ist der beste Weg, um die mentale Fitness zu steigern. Sie können meditieren, malen, Körperbewusstsein üben oder eine hilfreiche App nutzen. Schon 15 Minuten pro Tag reichen aus, um mit der Zeit deutliche Veränderungen zu erzielen. 

Durch regelmäßiges Praktizieren der Achtsamkeit entwickeln Sie ein erhöhtes Bewusstsein für Ihren Gedankenfluss. Sie lernen, Ihre Aufmerksamkeit neu auszurichten und negative Gedankenmuster zu durchbrechen. Diese Übungen helfen Ihnen, sich Verhaltensweisen anzueignen, die zu Ihren Zielen passen.

Auf Ihre körperliche Gesundheit achten

Für eine optimale kognitive Funktion braucht das Gehirn ausreichend Nahrung, Wasser und Schlaf. Mangelt es an einer dieser Grundvoraussetzungen, kann dies Ihre mentale Fitness und emotionale Gesundheit beeinträchtigen. Bauen Sie Pausen in Ihren Tag ein, um diese Grundbedürfnisse zu befriedigen.

Natürlich ist körperliches Training auch für die mentale Fitness wichtig. So wie Achtsamkeit die Muskeln des Körpers entspannen kann, entspannt das Workout den Geist. Es baut Stress und Spannungen ab und führt zu Erfolgserlebnissen– ein Eckpfeiler des PERMA-Modell des Glücks von Martin Seligman.

Wege in den Flow finden

Der Psychologe Mihaly Csíkszentmihályi entdeckte, dass der Flow eine der besten Möglichkeiten zur Verbesserung der mentalen Fitness ist. Der Flow, auch als Schaffens- oder Tätigkeitsrausch bezeichnet, ist produktiv und sehr befriedigend. Viele Forscher sind sogar überzeugt, dass Flow das Gegenmittel zu Burnout sein kann. Gestalten Sie Ihren Arbeitsplatz und Ihren Tag bewusst so, dass Sie in einen Flow kommen können.

Ihren Geist trainieren 

Wir alle haben unsere bevorzugten Trainingsmethoden für körperliche Fitness. Warum nicht auch etwas für die mentale Fitness entdecken? Mit mentalen Übungen können Sie Ihr Gedächtnis und Ihre kognitiven Fähigkeiten verbessern. Es gibt viele Spiele, Puzzles und Apps für die Verbesserung der kognitiven Verarbeitungsfähigkeit.

Techniken zur Achtsamkeit wie Körperbewusstsein, Visualisieren und Genießen fördern ebenfalls die mentale Fitness. Und vergessen Sie nicht, es sich mit einem guten Buch gemütlich zu machen. Ob zum Vergnügen oder um etwas Neues zu lernen – Lesen ist eine großartige Übung für Ihr Gehirn.

Erinnerungen verwenden

Der Aufbau neuer neuronaler Bahnen bedeutet Arbeit und leider können uns spontane Gedanken schnell entgleiten, wenn wir nicht aufpassen. Sie können Ihrem Gehirn aber dabei helfen, neue Bahnen aufzubauen, indem Sie es von außen daran erinnern. Führen Sie eine Liste mit förderlichen Gedanken – also neuen Nervenbahnen – an einer gut sichtbaren Stelle, z. B. auf einem Post-it-Zettel. Eine visuelle Erinnerung hilft, neue Ideen zu festigen und macht es einfacher, den Kurs zu ändern.

Eine neue Herausforderung annehmen

Wenn Sie etwas Neues lernen, bleibt die Neuroplastizität Ihres Gehirns erhalten. Es kommt nicht darauf an, was es genau ist. Suchen Sie sich einfach etwas aus, das Ihnen Spaß macht. Versuchen Sie es mit ein paar Sätzen in einer neuen Sprache, mit Tanzunterricht, einer neuen Sportart, mit Stricken oder Programmieren. Ihr neues Hobby wird dazu beitragen, neue Nervenbahnen zu bilden, Ihre emotionale Gesundheit zu verbessern und Ihre Selbstwirksamkeit zu stärken. Für Neulinge ist das nicht schlecht.

Dankbarkeit zeigen

Eine „Haltung der Dankbarkeit“ zu kultivieren, trägt dazu bei, unser Denken in optimistische Bahnen zu lenken. Viele Studien zeigen eine positive Korrelation zwischen Optimismus und besserer Gesundheit. Sie können ein digitales oder physisches Tagebuch der Dankbarkeit führen oder sich täglich einfach kurz die Zeit dafür nehmen, zu notieren, wofür Sie dankbar sind.

Vermeiden: 

Den eigenen Burnout

Burnout ist gekennzeichnet durch Erschöpfung, verminderte Leistungsfähigkeit und Abkopplung. Deshalb ist Burnout eine große Gefahr für die mentale Fitness. Viele Menschen denken, dass Burnout ausschließlich mit Überarbeitung zu tun hat, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Nicht wer zu viel zu tun hat, sondern wer sich nicht mit dem Grund der eigenen Tätigkeit verbunden fühlt, ist am ehesten ausgebrannt. Wenn Sie sich Klarheit darüber verschaffen, wie Ihre Arbeit zum großen Ganzen beiträgt, können Sie sich vor Burnout schützen.

Versuchen, immer alles allein zu machen

Wenn Sie sich körperlich fit halten möchten, können Sie ins Fitnessstudio gehen und allein trainieren. Aber die Zusammenarbeit mit einem Personal Trainer wird Sie schneller und effektiver an Ihr Ziel bringen. Das Gleiche gilt für die mentale oder geistige Fitness. Coaching ist der schnellste Weg, um mentale Stärke und Belastbarkeit aufzubauen. Menschen, die mit Coaches arbeiten, erkennen Ihre Muster deutlicher. Sie können ihre Gedanken leichter neu ordnen und erlangen mehr Selbstmitgefühl, wenn sie auf ihre Ziele hinarbeiten.

Neue Erfahrungen ausschließen

Etwas Neues zu lernen oder zu tun, bringt Sie in Schwung. Machen Sie nicht den Fehler, einer neuen Erfahrung aus dem Weg zu gehen, weil Sie fürchten, schlecht dazustehen, oder darauf hoffen, dass sich alles von alleine fügt. Der Geist ist zum Lernen da, und etwas Neues zu lernen, ist an sich schon lohnend. Persönliches Wachstum ist ein wichtiger Bestandteil des allgemeinen Wohlbefindens. Es kann das Engagement und die organisatorische Leistung, die Innovation und Flexibilität fördern.

Innere Arbeit unterschätzen 

Die Neurowissenschaft lehrt uns, dass Menschen kreativer und effektiver sind, wenn sie „Freiräume“ in ihren Tag einbauen. Bei BetterUp nennen wir das „innere Arbeit“. Auch wenn es so aussieht, als würden Sie „nichts“ tun, ist die innere Arbeit nicht zu unterschätzen. Sie ist eine geistige Tätigkeit oder Aktivität, die sich auf Ihre innere Welt konzentriert, um ein Ziel oder ein Ergebnis zu erreichen. Diese bewusste, reflektierende Auszeit ist der Schlüssel zum Aufbau geistiger Fitness.

Vernachlässigen der emotionalen Gesundheit

Geistige Gesundheit ist zwar nicht dasselbe wie geistige Fitness, doch kann man ohne sie keine geistige Fitness aufbauen. Kümmern Sie sich also um Ihre emotionale Gesundheit. Es handelt sich dabei um ein Grundbedürfnis wie Schlaf und Wasser, das nicht vernachlässigt werden darf. Nutzen Sie Ressourcen, wie z. B. vom Arbeitgeber angebotene Leistungen, Zugang zu Therapien oder eine Auszeit von der Arbeit. Selbstfürsorge unterstützt Ihre emotionale Gesundheit und fördert den Optimismus.

Aufschieberitis

Bei jeder Art von Training sind Regelmäßigkeit und Beständigkeit entscheidend für den Aufbau von Kraft und Ausdauer. Bei einem Fitnessplan für das Gehirn ist das nicht anders. Wichtig ist, dass Sie schon heute damit beginnen, Ihren Geist zu trainieren und Ihre psychischen Grundlagen zu entwickeln.

Wenn Sie sofort anfangen, entwickeln Sie Selbstdisziplin und überwinden den inneren Schweinehund. Aufschieberitis hingegen ist ein sich selbst verstärkendes Muster. Wenn Sie etwas erst einmal aufgeschoben haben, wird es Ihnen nicht schwer fallen, es noch weiter aufzuschieben. Unerledigte Aufgaben und unerreichte Ziele zehren jedoch an Ihrem Selbstwertgefühl und Ihrer Motivation. Die gute Nachricht ist, dass selbst ein kleiner Anfang ein Schritt in die richtige Richtung ist.

In Selbstmitleid versinken

Zu Beginn Ihres Trainings für mentale Fitness wird jeder Tag im „Fitnessstudio“ anders verlaufen. An manchen Tagen werden Sie sich müde, unkonzentriert oder durch negative Gedanken belastet fühlen. Zeigen Sie sich selbst gegenüber nachsichtig, während Sie diese neuen geistigen Muskeln entwickeln. Probieren Sie eine neue Übung, eine kürzere Meditation aus oder halten Sie ein Nickerchen. Das Ziel ist es, Selbstmitgefühl, Belastbarkeit und geistige Flexibilität zu entwickeln – und mit Selbstvorwürfen hat das noch niemand geschafft.

Mentale Fitness geht über die Selbstfürsorge oder das reine Nichtvorhandensein psychischer Erkrankungen hinaus. Laut unserem wissenschaftlichen Berater Martin Seligman geht es bei der Freisetzung von Potenzial darum, von „funktional zu fantastisch“ zu gelangen. Auf dem Weg zur mentalen Fitness geht es nicht darum, Fehler zu beheben, sondern darum, dass Sie Ihr Bestes denken, fühlen und leisten. Und genau wie im Fitnessstudio braucht es dazu Beständigkeit, Coaching und eine unterstützende Gemeinschaft.